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Im „Hemingway‘s“ in Hersbruck
locken Drinks und Exotik — Gedränge bei Events
Auf zu Hemingway. Oder genauer: Zu „Hemingway’s“. Dabei handelt es sich um
eine „junge“ Cocktailbar in Hersbruck. Und wenn man einigen Szenegängern
Glauben schenkt, betritt man mit dem Treffpunkt an der Bahnlinie sogar die
Hersbrucker Bar schlechthin.
„Hai!“, ruft der erstaunte Gast, wenn er das erste Mal die massive Holztüre
öffnet und den gemütlichen Bar-Raum betritt. Dabei will er nicht unbedingt
die zahlreichen Stammgäste begrüßen, die bereits am frühen Abend
cocktailschlürfend die strategisch besten Eckpunkte des „Hemingway’s“ besetzt
haben — vielmehr lässt ihn das Monstrum, das dekorativ zähnefletschend über
der Bar schwebt, diese Warnung von sich geben.
Plüschsessel und Barhocker
Doch keine Panik, das Plastik-Fischlein beißt nicht. Das behauptet zumindest
ein treuer Bar-Besucher und selbsternannter Cocktail-Crack, der auf einem der
weichen roten Plüschsessel sitzt, die sich hemmungslos mit modernen Barmöbeln
mischen. Er selbst sei nach einem langen Abend im „Hemingway’s“ zwar schon
des öfteren mit einem Kater aufgewacht, der Hai aber
habe sich bisher immer fern gehalten.
Die Cocktails sind beliebt hier. Das bestätigen die Gäste kopfnickend, den
Strohhalm locker zwischen den Zähnen. Das wissen auch die Betreiber, zumal
sie die begehrten Getränke zu humanen preisen an die Mai-Tai-, Daiquiri- und
Mojitodurstigen Frauen und Männer bringen. Als kleinen Trost für alle, die
eine gewisse Kehlen-Verwandschaft mit dem trinkfesten Namenspatron Ernest
Hemingway verspüren, haben sie auch gleich ein Dean-Martin-Zitat auf ihre
Homepage drapiert: „Du bist nicht betrunken, solange Du auf dem Boden liegen
kannst ohne Dich fest zu halten!“
Auf dem teils gekachelten, teils hölzernen Boden ist aber kein Platz mehr,
wenn das „Hemingway’s“ eines seiner Events anbietet. Jazz-Klassiker,
Zauber-Show, Literatur-Lesung und Karaoke-Revival locken die Massen an. Dann
stehen die Gäste gedrängt wie in der Londoner U-Bahn und schätzen es, dass
der von einem Hersbrucker Künstler entworfene Tresen auch im Rauchnebel immer
von einem leuchtenden Blauschimmer umgeben ist. Ein effekvolles Signal und
eine Hilfe für den Orientierungslosen, die ihn sicher die Quelle finden lässt.
Den Namen des großen amerikanischen Schriftstellers trägt das „Hemingway’s“
mit Stolz und Würde. Mit ein wenig Vorstellungskraft und ein bis drei
unterstützenden Cocktails sieht man den Mann aus Illinois sogar an der Bar
stehen. Und ist da nicht auch das Rauschen der Wellen aus der Ferne zu
vernehmen, ganz wie in „Der alte Mann und das Meer“? Nein, vermutlich war es
doch nur der vorbeizischende Nachtzug.
RURIK SCHNACKIG
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