Hilfe nur beim Hemdknopf-Öffnen
HERSBRUCK -
Eine Premiere für Slow City: Zwei Stripper der Gruppe
,Adonis" traten im ,Hemingway´s"auf. In der (natürlich nur von
weiblichen Gästen über 18) voll besetzten Bar wartete Frau gespannt auf die
europäische Konkurrenz der Chippendales.
Adonis hieß ín der griechischen Sage der hübsche junge Geliebte von Aphrodite.
Sagenhaft daher auch die Ankündigung im Lautsprecher: ,Wir
führen euch in Welten, die ihr eventuell noch nie betreten habt!"
verkündet der Lautsprecher . Doch bevor die Show losgeht, steht plötzlich ein
Polizist im Raum. Mit strengem Blick kontrolliert er die Ausweise einiger
junger Damen. Das Auge der Gesetzeshüter ist eben überall.
Zu den Klängen von ,I want to get away" legt der
Beamte auf einmal die Taschenlampe weg und zieht die Jacke seiner Uniform aus.
Ein Raunen geht durchs Publikum. Der falsche Beamte schlendert durch den Raum,
wirft den Damen verführerische Blicke zu und lässt sich sogar von einer
verzückten Dame beim Öffnen des obersten Hemdknopfes helfen. Auch männliche
Gäste wollen auf ein Bier vorbeischauen, doch sie dürfen nicht hinein: bei der
Ladie´s night ist der blonde Arek momentan der einzige zugelassene Mann. Von
heftigem Klatschen und leuchtenden Augen begleitet, wirbelt er in
Satinunterwäsche durchs Lokal und tanzt auf den Tischen.
Adonis hat aber auch mehr zu bieten als nur muskulöse Körper: Das will nach
einer Pause Benjamin Williams beweisen: In weißer Robe gibt der hühnenhafte
Amerikaner eine Kostprobe seines Gesangs. Auch ohne sich zu entkleiden gewinnt
er mit R. Kellys ,I believe I can fly" und
,Sittin on the dock of the Bay" die Herzen der Damen. Nachdem sein Kollege
im Offizierskostüm ganz ,gentleman-like" die Besucherinnen
umgarnt, um am Ende die Hüllen doch fast ganz fallen zu lassen, kommt auch er
zum Zug.
Die weibliche Menge ist komplett angeheizt, als zum Finale ein schwarzer Cop
auftritt. Bis zum Schluss ruhen alle Augen auf ihm, verfolgen die Mädels jede
seiner Bewegungen, fixieren jeden Muskelstrang und jedes fallende
Kleidungsstück. Sie strippen nicht wegen Sex oder weil sie Machos sind, erzählt
Arek im Gespräch hinterher. ,Es ist egal, ob eine Frau
18 oder 70 ist — wir wollen sie in andere Welten führen, ihnen das Gefühl
geben, dass wir ihnen Freude bereiten." Zwischen 18 und 30 Jahren sind die
25 Mitglieder der Men-Strip-Gruppe alt, teils Profis, teils hobbymäßige
Stripper. Bei ihren Auftritten in großen Sälen sind
auch noch Breakdancer dabei. Den Hersbruckerinnen genügt die exklusive Auswahl
der heißen Jungs. Noch spät am Abend schwelgt eine Dame am Tresen: ,So etwas bräuchten wir eben zu Hause". Ihre
Tischnachbarin verdreht die Augen: ,Dann bräuchte ich
aber jeden Tag eine Herztablette mehr!"
David Seitz